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Caritas-Kältetelefon: Dank Wiener Bevölkerung konnte 459 obdachlosen Menschen mit warmen Bett und Dach über dem Kopf geholfen werden

03.05.21 / 09:11

Es war definitiv kein Winter wie jeder andere. Seit Oktober läuft die Winterhilfe der Caritas der Erzdiözese Wien auf Hochtouren. Das Motto der vergangenen Monate: Mehr Notquartiersbetten, mehr Streetwork, mehr Hilfe. Ende April geht nun zumindest das Caritas Kältetelefon vorübergehend in Sommerpause. Notquartiere bleiben weiter geöffnet, die mobile Versorgung von obdachlosen Menschen mit Essen, Streetwork und medizinischer Versorgung bleibt weiter aufrecht. Anlass für den Gf. Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, Klaus Schwertner, eine Bilanz zu ziehen: „Für unsere Obdachlosenhilfe waren die vergangenen Monate eine große Herausforderung und für obdachlose Menschen ein unvorstellbarer Stresstest. Wir spüren den Druck, der auf den Menschen lastet, in den Notquartieren, in den Wärmestuben und auch auf der Straße. Die Nachfrage nach unserer Hilfe ist nach wie vor groß und auch wenn die Temperaturen jetzt steigen: Obdachlosigkeit wird auch in den kommenden Monaten eine Herausforderung bleiben, denn Obdachlosigkeit gibt es an 365 Tagen im Jahr.“

 

Um 45 Prozent mehr Anrufe: 8.000 Meldungen beim Caritas-Kältetelefon - so viele wie nie zuvor

Laut Schätzungen der Caritas sind derzeit einige hundert Menschen akut obdachlos – selbst dann, wenn es wie derzeit genügend Notquartiersbetten in der Stadt gibt. „Wir sind der Stadt Wien dankbar, dass sie die städtische Winternothilfe aufgrund der Pandemie auch heuer bis in den Sommer verlängert wird. Doch für uns war und ist es gerade in der aktuellen Krise wichtig, auch jene Menschen mit unserer Hilfe zu erreichen, die unversorgt auf der Straße stehen: Mit dem mobilen Ärzteteam vom Caritas Louisebus, mit den Caritas Suppenbussen und mit unseren Streetworkteams.“ Auch im vergangenen Winter halfen tausende Wienerinnen und Wiener mit einem Anruf beim Caritas Kältetelefon dabei, dass Menschen mit lebensrettenden Schlafsäcken, mit winterfester Kleidung und mit dem Angebot eines warmen Schlafplatzes erreicht werden konnten. „In diesem Winter haben 67 Freiwillige fast 8.000 Anrufe aus der Bevölkerung entgegengenommen. So viele wie noch nie zuvor. Zum Vergleich: Im Winter davor waren es knapp 5.500 Anrufe. 459 akut obdachlose Menschen konnten aufgrund der Hinweise aus der Bevölkerung in ein warmes Notquartier gebracht werden und dort Hilfe erhalten. Ein großes Danke allen Wienerinnen und Wienern, die hier echte Überlebenshilfe leisten. Und Danke auch allen Streetworkteams, die hier im Einsatz sind.“ Das Kältetelefon ist jedes Jahr von Anfang November bis Ende April unter 01/480 45 53 sieben Tage in der Woche rund um die Uhr erreichbar.

 

10.000 BesucherInnen an 240 Tagen, 3.500 medizinische Behandlungen

Groß war in den vergangenen Monaten auch die Nachfrage in den 27 pfarrlichen Wärmestuben. Sie zählten insgesamt mehr als 10.600 BesucherInnen an 240 Tagen. Traurigen Rekord an Hilfesuchenden gab es beim Canisibus, dem mobilen Suppenbus der Caritas: Knapp 90.000 Suppen wurden hier in den vergangenen Monaten von Freiwilligen gekocht und verteilt – an öffentlichen Plätzen in der Stadt und zusätzlich auch in einem Notquartier. „Es ist uns auch gelungen, mit dem Louisebus eine medizinische Notversorgung für obdachlose Menschen aufrecht zu erhalten. So konnten hier etwa 3.500 Behandlungen durchgeführt werden.“

 

Dringend gesucht werden aktuell Ärztinnen und Ärzte, die bei dem Projekt mitarbeiten. „Gerade mit Blick auf eine mögliche Impfung obdachloser Menschen, wäre diese Unterstützung besonders wichtig.“ Dass obdachlose Menschen etwa in Graz bereits mit einem Impfstoff versorgt wurden, sieht Schwertner positiv: „Obdachlose Menschen zählen mit Sicherheit zur Risikogruppe. Sie sind dem Virus in besonderer Weise ausgesetzt und oftmals gesundheitlich stark vorbelastet. Es wäre wichtig und auch im Interesse jener Menschen, die sie betreuen, wenn in diesem Bereich möglichst rasch Impfungen vorgenommen werden könnten. Nichtsdestotrotz wäre es wichtig, die ganzjährige Versorgung von besonders gefährdeten Menschen aufrechtzuerhalten.“

 

Caritas fordert Härtefallfonds, um Anstieg der Obdachlosigkeit zu verhindern

Einmal mehr appellierte Schwertner an die Bundesregierung, rasch in Sachen Mietstundungen zu reagieren. Denn Mietrückstände konnten nur bis Ende März gestundet werden. Laut Schätzungen sind rund 17.000 Menschen in ganz Österreich unmittelbar von einer Delogierung bedroht, sie könnten in den nächsten Wochen in der Obdachlosigkeit landen. „Hier besteht akuter Handlungsbedarf! Um die Menschen vor einem Absturz in die Obdachlosigkeit zu schützen, wird es jetzt einen bundesweiten Härtefallfonds brauchen, mit dem diese Rückstände beglichen werden können. Unbürokratische Soforthilfen, damit Betroffene in ihren Wohnungen bleiben können, sind essentiell.“

 

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