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Caritas und Karl Markovics bitten um Spenden für Gruft-Winterpaket: „Corona ist absoluter Stresstest!“

10.12.20 / 13:26

„Es war ein Jahr des permanenten Ausnahmezustands – und auf absehbare Zeit wird das auch so bleiben“, sagt Klaus Schwertner, Geschäftsführender Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, bei einem Medientermin am Donnerstag. Gemeinsam mit Schauspieler Karl Markovics macht Schwertner an diesem Donnerstag in der Wiener Obdachloseneinrichtung Gruft auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der Wohnungslosenhilfe aufmerksam. „Die Corona-Krise ist ein absoluter Stresstest für obdachlose Menschen – ein körperlicher und psychischer Ausnahmezustand. Unser Motto lautet daher seit Monaten: Mehr Notquartiersbetten. Mehr Streetwork. Mehr Hilfe. Und all das unter dramatisch erschwerten Bedingungen.“ Markovics, der im Vorfeld des Termins auch den Suppenbus der Caritas begleitet hat, betont: „Wärme ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Ein Schlafsack schenkt Wärme. Ein Teller heiße Suppe ebenso. Die gute Nachricht in dieser Krise lautet: Mit einem Gruft Winterpaket kann jede und jeder von uns helfen. Diese Hilfe wärmt, sie macht satt und sie macht deutlich, dass in dieser Zeit niemand vergessen ist.“

 

Hilfe ausgeweitet: Mehr Betten, mehr Streetwork, mehr Hilfe.

Die Caritas hat ihre Obdachlosenhilfe trotz Krise weiter verstärkt: Insgesamt stellt die Caritas in Wien aktuell knapp 1.890 Notquartiers-, Schlaf- und Wohnplätze zur Verfügung. Gemeinsam mit der Stadt Wien wurden bestehende Nachtquartiere um Tagesangebote erweitert. Die Streetwork-Teams waren auch über den Sommer jeden Abend im Einsatz. Schwertner: „Allein in der Gruft wurden von Juli bis Ende August hunderte Schlafsäcke ausgegeben – an Menschen, die kein Quartier mehr erhalten hatten obwohl die Stadt Wien ihre Winternothilfe in abgespeckter Variante auch über den Sommer aufrechterhalten hat. Unser Ziel ist es, jetzt all jene Menschen mit unserer mobilen Hilfe zu erreichen, die auch bei Minusgraden noch auf der Straße sind.“ Einen starken Anstieg verzeichneten im vergangenen Jahr etwa die mobilen Suppenbusse der Caritas, die bis Ende November bereits knapp 83.500 Teller heiße Suppe auf Wiens Straßen und in Notquartieren verteilt haben – knapp 11.500 Portionen mehr als im Vorjahr. Um bestehende Angebote weiter zu entlasten öffnen in diesen Tagen deshalb auch 27 pfarrliche Wärmestuben in ganz Wien ihre Türen, um Menschen mit kleinen Mahlzeiten und warmen Getränken zu unterstützen.

 

Bitte speichern Sie diese Nummer in ihrem Handy: 01/480 4553!

Susanne Peter, die Leiterin der Streetworkteams, bittet die WienerInnen die Nummer des Caritas Kältetelefons zu speichern: „Wir gehen davon aus, dass auch aktuell einige hundert Menschen in Parks und Hauseingängen schlafen. Umso wichtiger ist es, dass uns die WienerInnen dabei helfen, diese Plätze auch zu finden. Je mehr Menschen die Nummer in ihr Handy einspeichern, umso zuverlässiger können wir dort sein, wo wir gebraucht werden und Menschen zeitnah mit winterfesten Schlafsäcken, mit Tee und Suppen versorgen und sie im besten Fall in ein Notquartier bringen. In medizinischen Notfällen gilt es nach wie vor unbedingt die Rettung zu rufen.“ Das Caritas-Kältetelefon ist im Winter unter 01/480 45 53 sieben Tage pro Woche, rund um die Uhr erreichbar. Seit November wurden 1.153 Anrufe entgegengenommen. Alleine im November wurden 120 Anrufe mehr als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres gezählt.

 

Zahl der Betroffenen derzeit (noch) konstant

Bislang nimmt die Caritas noch keine signifikante Zunahme wohnungsloser Menschen wahr. Schwertner: „Aktuell sind knapp 780 von insgesamt 860 städtischen Notquartiersbetten in sämtlichen Notquartieren in ganz Wien belegt. Freie Betten sind also rar, aber noch verfügbar. Wir bewegen uns damit zahlenmäßig in etwa dort, wo wir auch im Vorjahr waren. Doch die Sorge, dass die Zahl der Betroffenen zunehmen könnte, ist berechtigt. Je länger die Krise dauert, umso größer die Gefahr.“ So ist die Caritas derzeit in ihrer Sozialberatungsstelle in Wien etwa mit zunehmend mehr Menschen konfrontiert, die Unterstützung für Mieten und Lebensmittel benötigen. „Der Bedarf wäre noch größer. Wir sind hier derzeit mit mehr Anfragen konfrontiert als wir bewältigen können.“

 

Appell an Bundesregierung und Stadt Wien

Schwertner: „Wir sind der Stadt Wien sehr dankbar, dass die Winternothilfe heuer erstmals auch über den Sommer hinaus verlängert wurde. Dieser Schritt war mit entscheidend, dass es bislang zu keinen größeren Infektionsgeschehen in diesem Bereich gekommen ist.“ Und doch erhofft sich die Caritas jetzt weitere Schritte seitens der Politik. Vergangene Woche kündigte die Bundesregierung an, dass Miet-Rückstände nun bis Ende März nächsten Jahres gestundet werden können. Ein Delogierungsstopp ist bis 2022 beschlossen. Schwertner: „Das ist gut. Doch die Schicksale in der Caritas Sozialberatung machen deutlich: Es ist nicht gut genug. Die Stundungen gelten nur für Menschen, die zwischen April und Juni Probleme hatten, ihre Miete zu stemmen. Wer Obdachlosigkeit jedoch verhindern will, muss Stundungen für die gesamte Dauer der Pandemie möglich machen. Und die Regelung sollte auch für jene Menschen gelten, die bereits vor der Krise in einer Krise waren. Wer vor der Krise arbeitslos war, findet in der Regel auch jetzt keinen Job.“ An die Verantwortlichen im Rathaus richtet die Caritas die Bitte, ihre Winternothilfe für besonders vulnerable Gruppen auch 2021 über den Sommer zu verlängern. „Obdachlosigkeit gibt es 365 Tage im Jahr. Wir glauben: Was in der Krise sinnvoll war, wäre auch nächstes Jahr und in den kommenden Jahren wichtig. Es geht nicht um viel: Es geht um ein Dach über dem Kopf, eine Möglichkeit zu duschen und um eine warme Mahlzeit. Auch im Sommer. Für die Betroffenen würde diese Hilfe einen großen Unterschied machen.“  

 

1 Schlafsack + 1 warme Mahlzeit = 1 Gruft  Winterpaket!

Schwertner und Markovics verwiesen bei dem Termin auch auf die Bedeutung von Spendengeldern. „Die öffentliche Hand leistet in Wien einen unverzichtbaren Beitrag. Doch klar ist auch: Ohne Spenden wäre ein großer Teil unserer Hilfe nicht möglich. Das gilt hier in der Gruft und es gilt auch für unsere mobile Notversorgung: Den Caritas Kältebus, die Suppenbusse oder etwa unsere Arztpraxis auf Rädern. Wir können diese Arbeit nur leisten, wenn sie von möglichst vielen Menschen mitgetragen wird. Unsere Bitte lautet daher: Spenden Sie ein Gruft Winterpaket. 50 Euro für einen winterfesten Schlafsack und eine warme Mahlzeit. Die Hilfe kommt an. Und die Hilfe wird dringend benötigt.“

 

Caritas Spendenkonto

IBAN: AT163100000404050050
BIC: RZBAATWW
BLZ 31000
Kennwort: "Gruft Winterpaket"
Online-Spenden: www.gruft.at